Lipsi, Kulturrevolution und Sozialismus

Gastbeitrag von Wolfgang Luley

Dieser Tage feierte das linke Jugendzentrum in unserem Ort seinen 40. Geburtstag. Dazu will auch ich meine Gratulation aussprechen!

In all den Jahren haben eure Aufkleber die ganze Stadt verschönert. Das finde ich einen netten Zug von euch. Ihr bringt sie überall an, ob das nun Abflussrohre von Häusern sind, oder mitten auf Verkehrsschilder und Ampeln – was eigentlich beides verboten ist – aber das zu kritisieren, wäre kleinlich! Ihr verfolgt ja edle Ziele!

Eins muss jeder Kritiker neidlos anerkennen: kleine Ziele habt ihr nie gehabt. Mutig kämpft ihr für Abrüstung und Weltfrieden. Respekt! Zwar verstehe ich nicht, wie man sich dabei gleichzeitig für die Abschaffung Deutschlands und die Weltrevolution einsetzen kann, aber ich bin ja auch kein Linker. Ihr werdet schon wissen, was ihr tut.

Ach ja – 1973! Da war die Welt noch in Ordnung. Es gab Lipsi, Kulturrevolution und Sozialismus. Welcher Linke hätte diese Zeit nicht wieder gern zurück. In der Welt gab es zwei Blöcke, den Ost- und den Westblock und wer Freund und Feind war, schien offensichtlich. Wen kümmert da ein paar Flüchtlinge, die von DDR-Grenzern totgeschossen wurden. Oder die tausenden von Opfern des Sowjetregimes, die in Arbeitslagern verhungern mussten.

1973! Da war links, wer sich zur Sowjetunion bekannte. Und natürlich waren alle Kritiker Nazis und Agenten des Kapitalismus. Eine herrliche Zeit. Dann aber kam die Wende und euer Glück fand ein Ende. Einst hatte euer Land Zukunft, nun hat die Zukunft euer Land. Zumindest glaubt ihr das und haltet euren Ansichten die Treue. Stalin und Mao wären stolz auch euch.

Und nun, 40 Jahre später? Alles dahin… dahin… Keine Todeslager mehr, keine Todesschützen und auch keinen Lipsi. Wie gemein die Welt ist. Eigentlich habt ihr eure Zeit überlebt. Eure Zeit war das Gestern, ihr gleicht sozialistischen Dinosauriern in einem demokratischen Land. Aber, ihr glaubt ja fest an eure Zukunft. Das macht euch mir wieder sympathisch.

Obgleich der Faschismus besiegt ist, kämpft ihr stolz und mächtig gegen ihn weiter. Tretet ihn, den Toten. Er hat es verdient, dieser Teufel. Und damit eure Heldengeschichte weiter gehen kann, müsst ihr sie natürlich ausschmücken. Dazu erklärt ihr einfach Rechte zu Faschisten, und wiederholt gebetsmühlenartig, dass sie eine Gefahr für euch sind. Nein, das letzte natürlich nicht, das ist zu auffällig. Statt dessen nennt ihr die Rechten eine Gefahr für die Demokratie. Und wer das anzweifelt, den erklärt ihr zu einem Rechten. Ihr seid durchtrieben und genial.

Und siehe da: die Welt rückt wieder gerade. Wie früher könnt ihr weiter nach Herzenslust diffamieren und hetzen – sorry! Ich meine natürlich: aufklären und Faschismus bekämpfen.

Da kann man auch darüber hinweg sehen, dass ihr vom Verfassungsschutz beobachtet werdet. Kümmert euch nicht darum. Die wissen eure edlen Ziele nicht zu schätzen. Die meinen, ihr seid eine Gefahr für die Gesellschaft. Und das nur, weil ihr Autos anzündet, Scheiben von Läden zertrümmert und willkürlich Personen zu Nazis erklärt. Die haben doch keine Ahnung.

Ich jedenfalls bin froh, dass es euch gibt. Ihr seid unschlagbar kreativ. Und wie abwechslungsreich sind eure Wortschöpfungen. Man denke nur an: Antikapitalismus, Antirepression, antideutsch, anti national, antisozialistisch und Antifaschismus.Damit steht ihr in der linken Tradition auf sicheren Füßen. Schon Engels schrieb ein Buch mit dem Titel: Anti-Dühring.

Und wenn es euch nicht gäbe, hätte ich kein Thema zum schreiben. Alles Gute für die nächsten 40 Jahre. Solltet ihr aber in der Zwischenzeit in die Hölle fahren, macht euch nichts draus. Dort seid ihr in guter Gesellschaft – unter euresgleichen.

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